Zuwanderung, Auswanderung – ein Kreislauf

kroatien italien

Auf neuen Wegen unterwegs

Meine Eltern kamen Ende der 1960er Jahre, aus dem damaligen Jugoslawien nach Deutschland. Sie zählten zu den sogenannten Gastarbeitern. Der Begriff des Gastarbeiters ist schon irgendwie sonderbar, wenn man darüber nachdenkt. Als Gast wurde man nicht behandelt, dann doch eher als Arbeiter.

Aber die Idee war es wohl mit dem Wort Gast zwei Dinge zu vermitteln:

1. Ein Gast geht wieder, bleibt nicht für immer.

2. Wenn man als Gast bezeichnet wird, fühlt man sich eingeladen und denkt, dass man bestimmt freundlich empfangen wird (Gastfreundlichkeit).

Mein Vater ist in 2021 plötzlich und unerwartet verstorben, und als Gast in Deutschland, nie mehr in seine Heimat zurückgekehrt. Aus dem Gastarbeiter war ein Einwanderer geworden, der sich ein Leben im Land seiner Vorfahren nicht mehr vorstellen konnte.

Durch seinen Tod, verspürte ich wieder den starken Wunsch nach Kroatien zu reisen, das Land dem meine Wurzeln entsprungen sind. Und so sind wir noch im gleichen Jahr nach Dalmatien gereist, in die Nähe von Zadar und verbrachten dort und in einigen anderen Orten in Kroatien eine sehr schöne Urlaubswoche, die ihre Wirkung in der darauffolgenden Zeit noch entfalten würde.

Meine Liebe zur Toskana

Vor über 20 Jahren habe ich ein Jahr in der Toskana gelebt und dort mein Herz an diese herrliche Gegend verloren. Immer, wenn ich in die Toskana komme, spüre ich ein Gefühl der Liebe zu dieser wunderschönen Region und fühle mich dort einfach sehr wohl. Ich erlebe, wie in meinem Inneren, in der Mitte meiner Brust, eine wohlige Wärme entsteht, allein wenn ich während des Schreibens daran denke.

Verbundenheit

Bin ich Kroatien verspüre ich auch eine Verbundenheit, jedoch hat sie eine andere Qualität. Es ist mehr das Gefühl „du gehörst dazu“, auch wenn ich dort vielleicht von einigen Menschen als Fremde wahrgenommen werde, weil ich nicht vor Ort aufgewachsen bin.

Dennoch spüre ich, dass es eine Verbindung gibt, die einfach da ist. Sie ist nicht dadurch entstanden, weil ich in Kroatien geboren und groß geworden bin. Nein, das nicht.

Diese Verbundenheit habe ich zu Deutschland. In Mannheim bin ich geboren worden und im Nachbarort Viernheim aufgewachsen und zur Schule gegangen, sodass ich Deutschland als mein eigentliches Zuhause wahrnehme. Nie habe ich bezweifelt ein wertvoller Bürger des Landes zu sein, indem ich geboren wurde und, indem ich Werte, Regeln, Normen und deutsche Tugenden lernen durfte, die auch heute noch im Ausland geschätzt werden.

In Kroatien ist es so, als könnte ich etwas, das zu mir gehört und bisher im Verborgenen lag, aufdecken oder manches schlicht wiederentdecken. In meiner Kindheit verbrachte ich mit meinen Eltern die Sommerferien im ehemaligen Jugoslawien und erinnere mich an so manche Situationen, in denen ich einen Unterschied zu Deutschland – vor allem nach der Rückkehr aus dem Urlaub – wahrnehmen konnte.

Zugehörigkeit

Wenn ich jetzt so darüber nachdenke, glaube es, dass ich mich dort schlicht „angenommen fühlte“, irgendwie zugehörig. In Deutschland wurde ich immer wieder mal in meiner Kindheit und im Teenageralter, wenn jemand aufgrund meines Nachnamens darauf kam, dass ich ursprünglich keine Deutsche war, gefragt wie die Dinge so bei uns Zuhause eigentlich wären. Z.B. als ich ein Spiel in der Schule nicht mitspielen wollte, weil ich mich schämte und mich auch vor einer möglichen Ablehnung fürchtete (ich weiß nicht ob Sie das Spiel „Polnische Hochzeit“ kennen?), fragte man mich, ob es mir von meinen Eltern bzw. aufgrund meiner Religion, verboten wäre. Nun, ich war römisch-katholisch, wie ein Großteil meiner Schulklasse.

Solche Fragen machten mir bewusst, dass ich wohl „anders“ sein musste, sonst würde man mich dies ja nicht fragen. Auch, wenn mir meine Schulkameraden beteuerten, ich wäre doch wie sie, zeigten mir gerade diese Aussagen wieder auf, dass es wohl doch einen Unterschied geben müsste, sonst wäre es ja nicht notwendig dies besonders zu erwähnen.

Vielleicht erscheint mir auch daher die ganze Diskussion um Gleichberechtigung, Homosexualität, Transsexualität und andere Themen, in denen es stets um Integration geht, eher spaltend, als integrierend und annehmend. In meinem Freundeskreis gab es schon vor 20 Jahren Menschen, die so wie sie waren angenommen wurden. Ganz gleich, ob sie weiß oder schwarz waren, klein oder groß, schwul oder lesbisch, Deutsche oder Ausländer, sie waren und sind einfach, sie selbst. Und das war okay.

Kroatien – Istrien

Nachdem ein Auswandern in die Toskana durch äußere Umstände für uns nicht mehr in Frage kam, öffnete sich der Ideenraum für neue Möglichkeiten. Recht rasch wurde Matthias und mir während unserer Urlaubsreise nach Kroatien klar, dass es sich lohnen würde darüber nachzudenken, ob es nicht in Kroatien ein schönes Plätzchen für uns gäbe.

Auch wenn Kroatien recht klein ist, ist es sehr vielseitig. Es gibt, ähnlich dem Prinzip der Bundesländer in Deutschland, sogenannte Gespanschaften. Während in Zentralkroatien, an der Grenze zu Ungarn in Slawonien die Kornkammer des Landes ist und es kaum Arbeit für die Bevölkerung außerhalb der Landwirtschaft gibt, werden am Mittelmeer im Tourismus während der Saison händeringend Arbeitskräfte gesucht. In Istrien werden die Reinigungskräfte genauso gut bezahlt (oder schlecht, das ist Ansichtssache), wie ein gelernter Fliesenleger oder Maurer.

Die Topografie, die das Land bietet ist so abwechslungsreich, dass es immer wieder gerne für internationale Filme als Kulisse ausgewählt wird. Der älteste und bekannteste Film ist vermutlich Winnetou, der vor allem in der Region der Plitvicer Seen gedreht wurde. Die Serie „Game of Thrones“, die Kinofilme Star Wars VIII und Robin Hood Origins drehte man vor allem in Dubrovnik, aber auch andere Filme, wie Mamma Mia 2 fanden schöne Drehorte, wie die Insel Vis.

Die Halbinsel Istrien wiederum vereint einige Orte, die wir sehr gerne mögen, mit der kroatischen Lebensart. Wenn man die Insel La Palma – Isla Bonita von der Form her betrachtet, ähnelt sie Istrien sehr, mit der dreieckigen Form. Beide sind recht agrarwirtschaftlich geprägt, die Menschen sind meistens eher bescheiden aufgewachsen und kennen das einfache Leben.

Die Trockensteinmauern, die man überall in Istrien sieht und einige Küstenabschnitte erinnern an Mallorca, wo wir gerne früher Kurzurlaube verbrachten. Der Architektur von Poreč, Rovinj und Pula sieht man zudem an, dass sie über Jahrhunderte hinweg ein Teil der Republik Venedig  waren und mediterrane Zypressen, die in Istrien die Landschaft schmücken, vermitteln dazu noch einen Hauch toskanischen Flair. Istrien gehörte bis zum zweiten Weltkrieg zu Italien, sodass ein Großteil der Bevölkerung auch heute noch fließend italienisch spricht, die Verwaltung zweisprachig ist. Man sieht auch vielersorts die kroatisch-italienischen Orts- und Straßenschilder.

In Istrien bekommen wir auf kleinstem Raum, fast alles was uns gut gefällt. Das mediterrane Klima, viele Sonnenstunden im Jahr und die Nähe zu Deutschland rundeten dann den Auswanderungsentschluss ab.

Nun ist die Zeit gekommen, aus der Zuwanderung meiner Eltern nach Deutschland, das mein Geburtsland ist, eine Auswanderung in ihr Geburtsland zu unternehmen.

Back to the roots

Das Zurück zu den Wurzeln der eigenen Herkunft, wird jetzt auch zu der Chance

  • zurück zu alten Werten zu gelangen und
  • der Möglichkeit sich dem Gärtnern und
  • Anbauen auf der eigenen landwirtschaftlichen Fläche zu widmen.

Also ist es auch ein Zurück zu dem Wurzeln dessen, was uns Menschen nährt: Pflanzen, Bäume, Obst, Gemüse, Kräuter und vieles mehr. 

 

…  Back to the roots

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